
Prügel-Fans und Wii-Besitzer haben es alles andere als einfach, bis auf
Super Smash Bros. Brawl gibt es kein gelungenes Beat’em Up für die Wii - und so sehr wir die
Nintendo-Klopperei auch lieben, so unähnlich ist sie doch einem richtigen Street Fighter oder Tekken, die auf den anderen Konsolen zur Höchstform auflaufen. Doch einer hat dann doch noch Erbarmen mit all den geprügelten Prügel-Fans:
Capcom. Mit
Tatsunoko vs. Capcom: Ultimate All-Stars veröffentlichen die Japaner nun ein klassisches, arcade-lastiges Beat’em Up für die Wii. Die Capcom vs.-Reihe bringt es dabei schon auf einige Ableger, unter anderem haben die
Capcom-Maskottchen schon gemeinsam mit den Prügel-Experten von SNK oder den Superhelden von Marvel die Fäuste fliegen lassen, nun also auch mit den beliebtesten Charakteren von Tatsunoko Productions. Tatsu-wer? Tatsunoko! Nie gehört? Kein Wunder, ist das japanische Animationsstudio außerhalb Japans doch so gut wie unbekannt, während das Studio im Land der aufgehenden Sonne schon längst Legenden-Status erreicht hat, dank Anime-Serien wie Neon Genesis Evangelion oder Adventures of Pinoccio. Hier im Lande kennt das Studio allerdings kaum ein Mensch, was zu ersten Anpassungsproblemen mit dem Titel führen könnte, immerhin stammen 13 der 26 Kämpfer aus der Feder des Animationsstudios. Warum
Tatsunoko vs. Capcom: Ultimate All-Stars aber trotzdem eine Chance verdient hat, erfahrt ihr in unserem Artikel.

Schon beim ersten Gang ins Hauptmenü wird einem klar, dass man es bei
Tatsunoko vs. Capcom: Ultimate All-Stars mit einem waschechten, klassischen Arcade-Prügler zu tun hat. Nicht nur, dass das Design an die gute alte Spiel- automaten-Zeit erinnert, auch die Spielmodi verdeutlichen das: Survival-Mode, Time-Attack oder Arcade-Modus. Im Time- Attack-Modus besteht euer Ziel darin, so viele Gegner wie möglich in einem bestimmten Zeitraum zu besiegen, während ihr im Survival-Modus mit deutlich weniger Gesundheit so weit wie möglich kommen müsst. Im Mittelpunkt steht aber natürlich der Arcade-Modus, bei dem ihr einen Gegner nach dem anderen besiegen müsst, um am Ende einem mächtigen Bossgegner gegenüber zu stehen. Zwar bietet auch der Arcade-Modus kleinere Story-Fetzen in Standbildern, einen richtigen Abenteuer-Modus, wie ihn beispielsweise die Soul Calibur-Reihe oder eben
Super Smash Bros. Brawl hat, sucht man leider vergeblich. Macht aber nichts, denn
Tatsunoko vs. Capcom: Ultimate All-Stars will in erster Linie spektakuläre Arcade-Action bieten.

Das Kampfsystem könnte klassischer nicht sein und orientiert sich ganz klar an den Street Fightern-Ablegern. Die Kämpfe finden in Form von 2 vs. 2-Kämpfen statt, bei denen sich allerdings immer nur zwei Kämpfer gegenüber stehen. Seinen Partner kann man entweder per Knopfdruck für kurze Cross-Over-Angriffe zur Unterstützung rufen, oder kommt eben dann zum Einsatz, wenn euer erster Kämpfe K.O. gegangen ist. Euer Ziel ist es natürlich, die Lebensleiste eurer Gegner auf Null zu prügeln. Das schafft ihr sowohl mit normalen Standardangriffen wie Schlägen oder Tritten, mit geschickt ausgeführten Kontern oder vor allem mit den zahlreichen Spezialattacken. Diese könnt ihr allerdings nicht sofort einsetzen, sondern müsst ihr euch erst durch normale Angriffe erarbeiten. Die Spezialangriffe sind zugleich Fluch und Segen von
Tatsunoko vs. Capcom: Ultimate All-Stars. Denn so schön sie auch anzuschauen sind und so viele es von ihnen auch gibt, so einfach sind sie auch auszuführen. Ein einziger Tastendruck reicht schon aus, um eine mächtige Hyper-Attacke vom Stapel zu lassen, ein einziger. Zwar kann man seine Attacken auch leicht variieren, indem man zusätzlich in eine bestimmte Richtung drückt, aber trotzdem, hartgesottene Beat’em Up-Veteranen könnten sich etwas unterfordert fühlen, muss man bei Street Fighter und Co. mitunter wahnwitzige Tastenkombinationen für eine Superattacke ausführen. Somit ist
Tatsunoko vs. Capcom: Ultimate All-Stars zwar das ideale Prügelspiel für Einsteiger, Hardcore-Gamern dürften hier aber ganz klar die Herausforderung fehlen.

Glücklicherweise ist es aber nun doch nicht ganz so schlimm, wie es oben klingen mag. Der Anspruch von
Tatsunoko vs. Capcom: Ultimate All-Stars ist nämlich nicht nur vom Schwierigkeitsgrad abhängig, sondern auch von der gewählten Steuerungsvariante.
Capcom lässt euch hier die freie Wahl: Classic-Controller, GameCube-Pad, Wiimote und Nuchnuk oder nur die Wiimote - ihr habt die Qual der Wahl. Je nachdem, wie ihr das Spiel spielt, ändert sich auch die grundlegende Steuerung. Spielt ihr beispielsweise nur mittels Wiimote, habt ihr natürlich deutlich weniger Knöpfe zur Verfügung als beim Classic-Controller, was zur Folge hat, dass ihr hier viele Angriffe nur mit einem Knopf ausführen könnt. Nehmt ihr allerdings den Classic-Controller in die Hand, erfordert es schon etwas mehr Können, denn dann müsst ihr noch kleinere Tastenkombinationen für stärkere Angriffe ausführen. Die Tiefe eines
Street Fighters 4 wird zwar nie erreicht, so hat man aber immerhin einen guten Kompromiss gefunden, wodurch selbst Einsteiger eine Chance gegen Profis haben.