Sport-Unterricht in der Grundschule. Sechste Stunde. Der Sportlehrer hat keine Lust schweißtreibende Übungen der Leichtathletik vorzumachen, aber die Lernenden können auch nicht einfach nach Hause geschickt werden. Es gibt ja noch so etwas wie eine Aufsichtspflicht. Was könnte man stattdessen machen? Gute Idee, lassen wir die Kleinen doch eine Runde Völkerball spielen. Da muss man als Lehrkörper selbst nicht viel tun und die Kinder bewegen sich. Im Normalfall macht das sogar dem überwiegenden Teil der Klasse Spaß und ich kann mich hinterher als Seelentröster betätigen, wenn ein Ball, natürlich unabsichtlich, einem Mitspieler zu neuen Gesichtskonturen verholfen hat. So oder so ähnlich scheinen viele Sportlehrer zu denken, könnte man als Schüler vermuten. Aber sind wir mal ehrlich, Völkerball hat kurioserweise irgendwie doch immer Spaß gemacht und selbst sportlich nicht so begabte Zeitgenossen konnten bei dem Spiel etwas reißen. Das müssen sich auch die Jungs von
Blazing Lizard gedacht haben, als sie den Titel
Völkerball aka Dodgeball entwickelt haben. Bereits seit einiger Zeit ist das Spiel als Download für die Xbox 360 verfügbar und jetzt dürfen auch Wii-Spieler Bälle aus allen Rohren feuern.

Eigentlich kann der Titel vom Speicherbedarf her nicht sonderlich groß sein und auch aufwendige Menü-Animationen gibt es nicht. Daher verwundern die extrem langen Ladezeiten schon etwas, bevor man das Hauptmenü zu Gesicht bekommt. Zum Glück zeigt sich dieses schon etwas mehr verheißungsvoll. Einspieler-, Mehrspielermodus und zusätzliche Herausforderungen sollten eigentlich für ausreichend Spielspaß sorgen. Außerdem darf man auch ganz normale Einzelmatches austragen. Diese entsprechen im Wesentlichen dem Mehrspielermodus, nur dass man eben allein spielt, aber sich die Regeln selbst aussuchen darf. Herausforderungen sollten eigentlich auch jedem Spieler bekannt sein. Hier geht es darum, unter bestimmten Bedingungen, Spiele in der Sportart Völkerball zu gewinnen. Zum Beispiel muss unter anderem mal ein Spiel gegen vier Gegner ganz allein gewonnen werden oder man tritt auch durchaus mit verminderter Energie an. Dass dieser Spielmodus anspruchsvoller als das normale Spiel ist, dürfte sich von selbst verstehen. Für alleinspielende Nutzer ist hingegen zunächst der Story-Modus von größerer Bedeutung. Alle verfügbaren Teams verfügen über eine eigene Geschichte. Was an dieser Stelle noch recht interessant klingt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als extrem dröge Veranstaltung. Statt den Spieler mit Video-Sequenzen bei der Stange zu halten, darf man sich mit Texttafeln beschäftigen. Damit jedoch noch nicht genug. Die Geschichte ist dermaßen belanglos, dass man, sobald ein Spiel beginnt, diese wieder vergessen hat. Wer eine Geschichte durchhält, darf sich über sechs weitere freuen, denn insgesamt gibt es sieben Teams. Hier zeigt sich endlich etwas Kreativität. Man tritt nämlich nicht als normale Sportmannschaft an, sondern als Pirat, Ninja, Roboter, Zombie, Vampir oder Alien. Das Highlight bilden dabei die Mushroom Men aus dem gleichnamigen Jump & Run für die Wii.

Grundsätzlich lässt sich zwischen zwei Spielvarianten unterscheiden. Während im Story-Modus meist die Dodgebrawl-Variante zum Einsatz kommt, darf man sich bei den anderen Spielmodi zwischen Dodgeball und Dodgebrawl entscheiden. Die Unterschiede sind zwar nicht sonderlich zahlreich, aber dennoch von großer Bedeutung. Bei Dodgeball spielt man nach den klassischen Regeln. Drei Spieler befinden sich auf dem Feld und drei Spieler stehen um das gegnerische Feld. Jetzt geht es darum mit dem Ball die Gegner innerhalb des Feldes abzuwerfen. Im Gegensatz zum realen Vorbild können die Spieler aber ein paar Mal getroffen werden, sonst wäre eine Partie schon nach wenigen Sekunden vorüber. Selbstverständlich können Bälle auch abgefangen werden, man kann ausweichen und auch unhaltbare Spezialwürfe sind möglich. Eine Energie- und eine Ausdauer-Leiste zeigen dabei den physischen Zustand des Spielers an. Zum Glück hat man sich bei der Steuerung auf ein Minimum der typischen Bewegungen beschränkt. Lediglich ein Schütteln zum Werfen wurde umgesetzt. Viel Taktik kommt dennoch nicht auf. Es bleibt bei einem gedankenlosen Geballer. Auf die Spitze wird das im Modus Dodgebrawl getrieben. Hier gibt es kein getrenntes Spielfeld und insgesamt nur sechs Leute. Abgeworfen wird also von überall und damit die Hektik perfekt ist, gibt es noch Nahkampfangriffe. Unterschiedliche Plätze mit Hindernissen und eine Ballart, die sich „heiße Kartoffel“ nennt und die man nicht lange in der Hand halten kann, setzen dem Ganzen noch das Sahnehäubchen auf.