
Mit
Runaway: The Dream of the Turtle bekommt die Wii Besuch von einem weiteren PC-Adventure, wobei sich hinter dem Insel-Abenteuer eigentlich bereits der zweite Teil der Reihe versteckt, welcher bereits im Jahre 2006 veröffentlicht wurde. Damit könnte sich die Konsole weiter zu einem Tummelplatz für Konsolen-Umsetzungen des ehrwürdigen Genres für Rätsel-Genießer mausern, zumindest wenn bei der Portierung alles glatt lief. Zu genau diesem Zweck packten wir im derzeit kalten Deutschland unsere Koffer und begleiteten die Hauptdarsteller Brian und Gina bei ihrer turbulenten Südsee-Reise.

Im Grunde möchte es Brian Basco langsam angehen lassen und sich nach den Ereignissen im Vorgänger mit seiner Freundin Gina einen langen Urlaub auf einer Insel in der Südsee genehmigen. Leider ist die abenteuerlustige (und anscheinend reichlich lebensmüde) Gina da anderer Meinung und möchte unbedingt mit einem schon recht betagten Piloten in einer nicht minder betagten Klapperkiste zur Insel fliegen. Gina bekommt ihren Willen, mit der etwas beunruhigenden Konsequenz, dass der Pilot noch beim Hinflug über den Jordan geht. Leider verfügen weder Brian noch Gina über Erfahrungen in der Bedingung eines Flugzeug-Cockpits und auch die Tatsache, dass sich nur ein einziger Fallschirm in der Maschine befindet, lässt die Stimmung nicht erhellen. Am Ende siegt die Liebe und Brian befördert Gina - gegen deren Willen versteht sich - mit dem einzigen Fallschirm aus der Maschine und setzt sich mutig hinter das Steuerrad. Zwar ist die anschließende Landung alles andere als sanft, aber Brian gelingt es immerhin die Maschine auf der Insel zu landen und dabei mit wenigen Kratzern davon zu kommen. Sofort beginnt er damit, seine Freundin zu suchen und stößt dabei auf allerlei Militärs, die irgendetwas auf dem Eiland vorhaben. Dazu kommt, dass der tote Pilot nach der Landung plötzlich nicht mehr aufzufinden ist. Sieht so aus, als wenn der geplante Urlaub erst einmal warten muss.

Für die Steuerung auf der Wii benötigt ihr lediglich eure Wii-Remote. Die sich schon in vielen Adventures auf der Konsole bewährte Pointer-Steuerung kommt natürlich auch bei
Runaway: The Dream of the Turtle wieder zum Einsatz. Zeigt auf die Stelle, zu der Brian laufen soll, betätigt den A-Button und schon läuft unser leicht dussliger Held zum festgelegten Punkt hin. Schalter und ähnliches aktiviert ihr hingegen mit dem B-Button. Selbiges gilt, wenn ihr mit Personen sprechen wollt. Diese haben selbstverständlich einiges zu sagen und lassen, wenn das Intro nicht schon Hinweis genug war, schon früh erahnen, dass das Adventure nicht nur vom Karibik-Flair her Parallelen zu den Monkey Island-Titeln aufweist. So tritt gerade Brian, mit seiner symphytisch-trottligen Art, in die Fußstapfen von Guybrush und zieht viele Lacher auf sich. Aber auch die übrigen Bewohner und Besucher der Insel, wie die beiden Möchtegern-Surfer mit der Wasser-Allergie oder der einäugige, kriegsverliebte und hochgradig frauenfeindliche Offizier, zeigen sich in den Multiple-Choice-Dialogen von ihrer humorigen, aber auch sehr geschwätzigen Seite. Mitunter wird sich selbst ein Veteran bei dem Gedanken erwischen, einen Dialog, der für das weitere Vorankommen keinerlei Bedeutung spielt, zu überspringen. An die Brillanz der Genre-Größen kommen die Geschichte und vielen Dialoge, die es mit ihren Pop-Kultur-Referenzen dann und wann auch mal übertreiben, nicht heran, ein gebührender Abstand ist für den Kenner der Perlen jederzeit vorhanden.

Die Adventure-Veröffentlichungen der letzten Zeit, allen voran die Titel von
Telltale Games, glänzten nicht gerade mit Kopfnüssen. Ganz anders bei
Runaway: The Dream of the Turtle, bei dem die grauen Zellen endlich wieder zu arbeiten haben, ehe ein Rätsel geknackt wird und dies schon im ersten des insgesamt sechs Kapitel umfassenden Spiels. Da die Knobel-Einlagen sehr Inventar-lastig sind, solltet ihr stets die Augen nach verdächtigen Gegenständen offenhalten. Spätestens hier nervt der langsame Cursor der Wii-Fassung doch etwas, da ihr gezwungen seid, im Tempo einer Schnecke über den Screen zu kriechen. Bei kleinen Objekten reagiert der Cursor außerdem nicht so genau, wie man es aus anderen Adventures für die Konsole gewohnt ist. Auch die Rätsel selbst können nicht durch die Bank weg begeistern, da sie mitunter in reines Ausprobieren ausarten können. So kann es sein, dass ihr für den weiteren Fortschritt einer Figur eines eurer vielen Items zeigen müsst, ohne dass euch zuvor jemals ein Hinweis, etwa in einem Nebensatz im Gespräch mit der jeweiligen Person, auf die richtige Spur gebracht hätte. Fies sind auch die gut versteckten Orte der Insel, die euch, bis ihr diese entdecken konntet, schon mal für längere Zeit ziellos umherwandern lassen. Auf der anderen Seite fordern euch die guten und anspruchsvollen Kombinationsrätsel in einem Maße, wie kaum ein anderes Adventure auf der Wii und erinnern damit an vergangene Tage des Genres. Erfahrene Spieler werden dies ohne Frage zu schätzen wissen.